Supervision fr Psychotherapeuten

Nach Abschluss ihrer psychoanalytischen oder verhaltenstherapeutischen Ausbildung fällt es oft Kollegen schwer, eine persönliche, ihnen gemäße psychotherapeutische Arbeitsweise zu finden. Vielfach empfinden sie das Gelernte als enges Korsett, nicht ausreichend für die Vielfalt der Probleme der Patienten, mit denen sie konfrontiert werden. Die Teilnahme an kleinen Supervisionsgruppen, die die Ausbildungsinstitute in der Regel anbieten, können hier eine wertvolle Hilfestellung sein.

Die Kollegen sind manchmal auch auf der Suche nach ergänzenden Therapiemethoden. Dafür, wie für ganz persönliche Schwierigkeiten, die man in einer Gruppe ungern äußert, sind Einzelberatungen durch erfahrene Kollegen sinnvoll. Diese sollten möglichst nicht zum engen Kreis der Ausbilder und Lehrtherapeuten der betreffenden Institute gehören. Zu Beginn der psychotherapeutischen Tätigkeit fällt es oft schwer, einerseits den Patienten gegenüber empathisch eingestellt zu sein und sich gleichzeitig auch genügend innerlich abgrenzen zu können, nicht zu sehr mitzufühlen und mitzuleiden. Es ist wie bei der Kindererziehung: wenn sich die Kinder mit ihren Nöten und ihrem Kummer an die Eltern wenden, sollen diese verständnisvoll und Anteil nehmend sein, aber nicht „mitweinen“; sie müssen möglichst in ihrer Haltung zum Ausdruck bringen, dass Krisen überwunden werden können und dass man daran wachsen kann.

Abgesehen von spezifischen Problemen von Psychotherapeuten in den ersten Jahren nach ihrer Ausbildung besteht auch nach langjähriger Berufserfahrung noch immer die Gefahr von Burnout-Zuständen. Dabei geht es besonders um die unzureichend ausgebildete Fähigkeit, sich genügend abgrenzen und emotional distanzieren zu können; „die Patienten kommen ihnen zu nah“, ihre Schicksale beschäftigen sie noch so sehr in der Freizeit, dass ihnen der Bezug zu sich selbst nach und nach verloren geht. Die spezifischen Gefährdungen der Psychotherapeuten (wie auch der „Hilflosen Helfer“ Wolfgang Schmidbauers) sind vielfach beschrieben worden. Von den diesbezüglichen Publikationen aus jüngerer Zeit soll hier nur auf Eva Jäggis Buch: „Und wer therapiert die Therapeuten ?“ (Klett-Cotta, 3. Auflage 2003) hingewiesen werden.

 

Supervision fr Lehrer

Angehörige Helfender Berufe, insbesondere Lehrerinnen jenseits der 50. Lebensjahres sind besonders stressgeplagt und hinsichtlich Burnout-Zuständen gefährdet. Nach jahrzehntelanger Überforderung und Überangestrengtheit sind sie ausgelaugt, leiden unter vielfältigen Symptomen, besonders Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Rückenschmerzen und häufig auch unter Tinnitus. Meist handelt es sich um überengagierte, primär hochsensible Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit; sie versuchen, die an sie gestellten Anforderungen gewissenhaft zu erfüllen. Sie werden im Spannungsfeld zwischen Schülern, anspruchsvollen Eltern und teilweise mehrfach jährlich sich ändernden Vorgaben und Vorschriften der Schulbehörde zerrieben. Supervision, Beratung und das Besuchen von Kursen für die Vermittlung von Selbstentspannungstechniken reichen oft nicht mehr aus, um aus der Situation chronischer Überlastung und Überforderung mit den dadurch bedingten psychischen und psychosomatischen Störungen herauszukommen. Deshalb ist in solchen Fällen häufig eine Psychotherapie erforderlich. Diese sollte ressourcenorientiert sein und besonders auf die Stärkung des Selbst- und Souveränitätsgefühls abzielen.

Vielfach wird das deutsche Schulsystem als nicht erneuerbar angesehen. Die Schulgesetze sind jedoch sehr allgemein gefasst (Ziel der Schulbildung sei, dazu beizutragen, dass aus „Kindern und Jugendlichen mündige und verantwortungsbewusste Bürger“ werden. Wie dies erreicht werden kann, bleibt aber der einzelnen Schule überlassen. Die Initiative Schule im Aufbruch (www.schule-im-aufbruch.de) zeigt Wege auf, wie dies jetzt schon möglich ist. Sie wurde gegründet von Margret Rasfeld, der Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, dem Hirnforscher Gerald Hüther und dem Juristen und Hochschullehrer Stephan Breidenbach, Gründer ganzheitlich ausgerichteter Unternehmen. Auf das 2014 bei Kösel erschienene Buch von Margret Rasfeld und Stephan Breidenbach: „Schulen im Aufbruch. Eine Anstiftung“ soll in diesem Zusammenhang ausdrücklich hingewiesen werden.  

 

Supervision fr rzte

Die Lage von Ärzten, die an der kassenärztlichen Versorgung teilnehmen und wenig Privatpatienten haben, ist meist etwas anders als die der anderen helfenden Berufe. Sie müssen die letzten Wochen eines Quartals vielfach umsonst arbeiten, weil das Quartals-Budget der betreffenden Fachgruppe ausgeschöpft ist. Sie sehen sich gezwungen, ihre Tätigkeit immer mehr nach kaufmännischen statt nach ärztlichen Gesichtspunkten zu organisieren. Sie empfinden sich dann eher als Kleinunternehmer denn als Ärzte. Das ist auf Dauer für Viele demotivierend und demoralisierend, weil zum Beispiel für Gespräche mit den Patienten kaum noch Zeit bleibt. Wenn sie vorzeitig die Rente beantragen, finden sich in letzter Zeit oft keine geeigneten Nachfolger für die Praxis, weil die Tätigkeit eines niedergelassenen Kassenarztes nicht mehr verlockend erscheint. Es hängt sehr vom jeweiligen Einzelfall ab, wie man als Psychotherapeut diesen Menschen am besten helfen kann, ob Supervision und Beratung ausreicht oder ob eine Psychotherapie indiziert ist.

Bekanntlich ist die Suizidrate bei Ärzten etwa drei bis vier mal größer als in der Durchschnittsbevölkerung. Unter den Fachrichtungen sind dabei Anästhesisten und Psychiater am häufigsten betroffen. Im Internet sind viele diesbezügliche Berichte aufrufbar. Hier soll nur auf die Veröffentlichung von Melanie Hüttemann: „Suizidalität bei Medizinerinnen und Medizinern“, viamedici online, Thieme-Verlag vom 24.2.2006 hingewiesen werden. Darin wird die Notwendigkeit einer „Distanz und klaren Grenzziehung“ hervorgehoben; „die Arbeit darf nicht der einzige Lebensinhalt und Lebenssinn sein“. Weiterhin zeigten Ärzte „signifikant häufiger als die Allgemeinbevölkerung eine depressive Symptomatik“.

 

 

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